Story

Hoffnungsträger 

Gruppenportraits aus Kabul

Ein mit meinem Freund und Fotografenkollegen Lukas Einsele gemeinsam in Afghanistan recherchiertes und fotografiertes Projekt.

Kabul 2007

Ist der Name Kabul gleichbedeutend mit absoluter Perspektivlosigkeit? Oder finden sich trotz schwieriger Bedingungen Menschen, die Hoffnung und Engagement gegen Zerstörung und Angst setzen. Diese Menschen haben wir gesucht – und gefunden.

In Kabul, bei den Betroffenen selbst, war das Thema ein Volltreffer. Denn die durchweg negative Berichterstattung im Ausland ist ein zusätzliches Hindernis für Normalität im Inland. Denn wer investiert schon in Afghanistan? Wer baut in Kabul? Wer entsendet Fachleute in die Region oder Professoren an die Universität? Wer sucht sich seine Handelspartner in einem Land wie Afghanistan?

In einer Serie von insgesamt 13 Bildern haben wir Gruppen portraitiert, die für den Aufbau Afghanistans arbeiten. Dazu gehören eine Gruppe von zeitgenössischen Künstlern, Unternehmerinnen, Bauunternehmer, ein Stadtplanungsteam, zwei Ministerien, der Fachbereich Deutsch der Uni Kabul, ein Trauma-Projekt, ein Bio-Rosinen-Bauer mit seinen Mitarbeitern, ein Mädchengymnasium, Fahrradkuriere, Bauwerksrestaurateure.

Women Employment Promotion Project / WEEP

Seit Januar 2007 arbeitet dieses Projekt mit dem Ziel, Bedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass Frauen im Berufsleben und als Unternehmerinnen Fuß fassen können und so an der Entwicklung der afghanischen Wirtschaft teilhaben. Ziel der Initiative sind Erfahrungsaustausch und Networking zur Unterstützung der Unternehmensführung.

Baulöwen „Golden City“

Die Brüder Abdul Alam, Nazar Mohamad (mit Sohn) und Hahmed Olah auf dem Dach einer der zehn Villen des Bauprojekts „Golden City“ im Osten Kabuls. Im Rahmen der 600-Millionen-Dollar-Investition der Familie sollen bis Ende 2008 neben den Villen im pakistanischen Zuckerbäckerstil 600 Eigentumswohnungen, eine Moschee und ein Fünfsternehotel entstehen.

Export Promotion Agency of Afghanistan / EPAA

EPAA ist eine Unterstützerorganisation für Export treibende Unternehmen Afghanistans. Die Mitarbeiter von EPAA organisieren die geregelte, unbürokratische und korruptionsfreie Ausfuhr von Waren wie z.B. Rosinen, Kunsthandwerk, Lebensmittel, Textilien.

Center for Contemporary Arts in Afghanistan / CCAA

Rahraw Omarzad ist Leiter des „CCAA“. Die selbstorganisierte Künstlerplattform hat das Ziel, afghanischen Künstlern neben einem Diskussionsforum nationale und internationale Kontakte und Ausstellungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Unternehmer

IT-Unternehmer Tamim Samee ist nach dem Krieg aus den USA nach Afghanistan zurückgekehrt. In einem kleinen, visionären Projekt überzeugt er Landwirte in der Nähe Kabuls, ihre Rosinen- und Gemüseplantagen nach neuesten Standards ökologisch zu bewirtschaften und sparsam zu bewässern, um so die Qualität der Waren zu erhöhen und exportfähig zu machen.

Frauenministerin + GTZ Gender Mainstreaming Project

Nach der Herrschaft der Taliban kommt der Einrichtung eines Frauenministeriums besondere Bedeutung zu. Die Ministerin Dr. H.B. Ghazanfar kümmert sich um die Verbesserung der Frauenrechte in Gesellschaft und Familie.

Wirtschaftsminister / Ministery of Commerce & Industries + GTZ „Economic Reform Project“

Viele der afghanischen Minister und Parlamentäre haben lange Jahre im Ausland verbracht und sind nach dem Krieg aus dem Exil in ihre Heimat zurückgekehrt. So auch der afghanische Wirtschaftsminister Dr. Amim Farhang, der bis 2001 an der Ruhr-Universität in Bochum lehrte. Mit ihrem Know-how und den internationalen Erfahrungen engagieren sie sich beim Aufbau Afghanistans und sind vielfach eine wirksame Opposition gegen die ebenfalls starke Fraktion der Warlords in den politischen Gremien des Landes.

Mädchengymnasium Aisha-i-Durani

Lehrerinnen der Mädchenschule Aisha-i-Durani am Rande der Altstadt Kabuls. Die von Deutschland geförderte Schule ist eines der wichtigsten Ausbildungszentren für Mädchen in Afghanistan.

Traumaprojekt / Teacher Training Center (GTZ)

Trauma Teacher führen Trainings für Lehrer und Lehrerinnen an afghanischen Schulen durch. Mehr als 30% der afghanischen Schulkinder sind (kriegs-)traumatisiert und benötigen im Schulalltag eine spezielle Unterstützung.

Universität Kabul / Faculty for Languages and Literature Department of German Language (Fachbereich Deutsch)

Deutsch bzw. Germanistik ist ein traditionsreiches Fach an der Universität Kabul. Es wird dort seit vielen Jahren unterrichtet und boomt seit der Befreiung von den Taliban. Denn wer Deutsch spricht, vervielfältigt seine Chancen auf eine Fachausbildung in Deutschland.

Stadtplaner

Die Einwohnerzahl Kabuls hat sich in den letzten 20 Jahren aufgrund der Landflucht nahezu vervierfacht. Die Infrastruktur der Stadt liegt aber durch die Zerstörungen der Kriege noch weitgehend brach. Die Stadtplaner M. Farhang und Abdullah und Shaima Breshna suchen nach sanften und nachhaltigen Wegen, die unzähligen illegalen Siedlungen an den Hängen von Kabuls Hügel in die Zukunft der Stadt einzugliedern.

Aga Khan Historic Cities Programme / Timur Shah Mausoleum

Seit 2003 wird das Timur Shah Mausoleum in der Altstadt Kabuls von der Aga Khan Foundation, der einflussreichsten islamischen Kulturstiftung, restauriert. Unser Bild zeigt das Bauteam. Ab Sommer 2008 sollen dort Konzerte, Ausstellungen und andere Kulturveranstaltungen stattfinden.

Das gesamte Projekt wurde innerhalb von acht Tagen in und um Kabul recherchiert und fotografiert. Außer wenigen vorbereitenden Kontakten fanden sämtliche Absprachen vor Ort statt - ebenso die Suche nach geeigneten und verfügbaren Locations. Dies war nur dank ausgezeichneter und hilfreicher Kontakte zur GTZ, dem Goethe Institut Kabul und afghanischer Organisationen und Personen möglich. Dafür noch mal ganz herzlichen Dank!

Nachtrag:

Die Lage in Afghanistan hat sich seither wieder verschlechtert. Anschläge und Bedrohung durch die Taliban nehmen zu. Dass Afghanistan zum sicheren Herkunftsland erklärt wurde, ist zynisch, denn Sicherheit gibt es kaum. Hoffnung gibt es aber dennoch.